„Der Malojawind weht in Samedan, das siehst Du dann im BFK, den solltest Du unbedingt machen!“ Schon während meiner „Kindertage“ des Fliegerlebens machten mir meine Vereinskollegen den Alpen-Breitenförderungskurs schmackhaft.
Dieses Jahr war es dann endlich soweit, zusammen mit 16 weiteren Teilnehmern die Alpeneinweisung zu erleben. Nach einer kurzen Vorstellung der Fluglehrerschaft und Begrüssung durch die Flugplatzleitung ging es direkt los: Die zugeteilten Flugzeuge der feinen Flotte aus Duo Discus, DG-1000 und Arcus wurden startbereit gemacht. Schon am ersten Tag war das Wetter auf unserer Seite und die ersten tollen Flüge über die Gipfel des Engadins glückten. Und viele weitere sollten folgen.

Das wunderschöne Engadin — aus der Luft noch schöner!
Der Malojawind verhalf uns jedoch nicht in die Höhe, der überregionale Nordwind setzte sich fast immer durch. Die Taktik blieb trotzdem gleich, nur der tragende Hang war je nach Tageszeit ein anderer. Das machte die wenig typische Wettersituation sehr wertvoll, da wir die aktuellen Bedingungen genau beobachten und nutzen mussten und so sehr viel lernen konnten.
Gestartet wird an der Winde mit Profi-Team aus Startleiter, Windenfahrer und Koordination durch den Tower. Nach dem Klinken geht es auf direkt zum Hang, wo das Training beginnt: Nah am Hang und voller Konzentration wird mit ruhiger Hand das Steigen erfühlt, im richtigen Moment zur Wende angesetzt und so Runde um Runde hinaufgestiegen. Derweil trafen wir immer mal wieder auf Wanderer, die freudig unser Winken erwiderten. Nach dem sicheren Überhöhen der Krete kann dann eingekreist werden, es wird angenehm kühl und die Berge unterhalb erscheinen als kleine Hügel vor den grossen Gletschern, die sich nun zeigen.
Das gelingt jedoch nicht immer auf Anhieb, wenn das leichte Zupfen doch wieder vom Vario-Sinkton abgelöst wird und es langsam aber sicher Zeit wird die Landung vorzubereiten. Mit Tower-Unterstützung geht es in die Platzrunde und schliesslich zur Landung auf der für Segelflugzeuge riesigen Piste neben den Business-Jets «9H-CARLO» und «9H-EROES». Echtes Flughafen-Feeling inklusive!

PC-7 und Business-Jets in Samedan, direkt daneben wir im Segelflugzeug!
Ist das Wetter noch nicht soweit, lädt es dazu ein, gemütlich bei einem Snack im Schatten eines Flügels das Wolkenbild und den Wind zu beobachten und mit dem Fluglehrer die Taktik für den nächsten Flug zu beraten. Einfach «patgific», wie die Einheimischen sagen.

Geniessen, wenn das Wetter noch auf sich warten lässt, einfach patgific.
Nach ausreichender Beobachtung und angepasster Taktik geht es auf zum zweiten Versuch: Nochmals hinauf mit der Winde, dann rüber zum vielversprechenden Hang und siehe da, der Hang trägt uns schon die ersten 30 Meter hinauf, das reicht locker für eine Wende. Nach einigen «Runden» am Hang mit wachsamen Augen auf weitere Flugzeuge, die ähnliche «Übungen» machen, ist der Gipfel des Muottas Muragl überhöht und es stellt sich nur noch die Frage: Wohin zuerst, das Tal hinunter Richtung Piz Nuna erkunden oder doch zur Bernina?
Nachdem wir so gelernt hatten, wie wir sicher zusammen mit unseren Kollegen fliegen, durften wir dann unsere mitgebrachten Einsitzer aufstellen und alleine los, wobei unsere Fluglehrer immer ein Auge auf ihre «Bambini» hatten.
So oder so ähnlich erlebten wir tolle Flüge. Während am Morgen das Wetter noch erwachte, waren wir schon fleissig und durften etwas über die Besonderheiten der Windverhältnisse in Alpentälern, menschliche Limitierungen, eine gute Starttechnik an der Winde und die Gletscher im Engadin lernen. Auch kulturelle Einblicke mit «Gian und Giachen» in das Leben im Engadin im Anschluss an das täglich Meteo-Briefing durften nicht fehlen.

Abendstimmung in Samedan.
Während des Kurses starteten wir zusammen 181-mal und flogen insgesamt 318 Stunden. Das Quad «Hansueli» brachte uns dafür unermüdlich die Windenseile an den Start.

Seilwinde und Auszugsfahrzeug „Hansueli“.
Hier gab es noch eine Überraschung für uns: Wir bekamen Besuch des Ultraleichtflugzeugs Dynamic WT9 aus Österreich, das ausnahmsweise einige unserer Flugzeuge in die Luft bringen durfte. Ein Highlight in Samedan, wo typischerweise nicht mit Flugzeugen geschleppt wird.

Flugzeugschlepp mit einer WT9 in Samedan, ein seltener Anblick.
Abgerundet wurde das Erlebnis kulinarisch beim gemeinsamen Nachtessen von den beiden lokalen Spezialitäten Pizzoccheri und Capunet.
Nach dem Kurs weiss ich nun, wovon meine Vereinskollegen schwärmten. Der BFK in Samedan ist für alle eine grosse Bereicherung für die Flugerfahrung aber nicht zuletzt einfach ein wunderbares Flugerlebnis vor wunderschöner Kulisse.
Vielen herzlichen Dank an Andy, Jürgen, Rolf, Christine, Domenic, Adrian, Georg, Johannes, Kurt, Roland, Basil und Rheinhold für Eure Zeit und super Betreuung.

