Über das vergangene Pfingstwochenende wurde die 23. Regionalmeisterschaft in Schupfart ausgetragen. Hierbei traten die Teilnehmer im Segelstreckenflug gegeneinander an. Dabei wird ausschliesslich in Aufwinden ohne Motor eine Strecke über einige hundert Kilometer zurückgelegt. Wem dies mit der grössten Strecke und höchster Geschwindigkeit gelingt, gewinnt. Der Pilot ist der entscheidende Faktor; je leistungsfähiger das geflogene Flugzeug selbst ist, desto grösser ist das Handicap für einen fairen Vergleich der Leistungen. Wahres Können und Taktik sind gefragt! Für den Wettbewerb reisten zehn Teilnehmer aus der ganzen Schweiz an, darunter Talente aus dem Schweizer Nationalteam.

Das Wetter zeigte sich für die vier Wertungstage von der Segelflug-freundlichen Seite und bot gleichzeitig einige Herausforderungen für die Teilnehmer. Die Bedingungen stellten sich konstant günstig für Streckenflüge über dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb ein. Ein paar Cumuluswolken zeigten den Wettkämpfern den Weg, jedoch machten sie es zu Beginn durch ihre eher geringe Anzahl nicht zu leicht.
Schon am Freitag fand der erste Wertungstag statt. Bei thermisch guten Bedingungen begab sich der Schwarm nach Norden auf Höhe Stuttgart und über weitere Wendepunkte und eine Strecke von knapp 370 km zurück nach Schupfart.
Die zweite Aufgabe führte die Wettbewerber am Samstag bei steigenden Temperaturen und guten Flugbedingungen erneut Richtung Stuttgart, zurück vor die Haustür am Titisee und nochmals auf die Schwäbische Alb zum Klippeneck, bevor es nach etwa 320 km zurückgelegter Strecke ins Ziel in Schupfart ging.
Am dritten Wertungstag stellte sich ein recht starke Bise ein, was den wohl anspruchsvollsten Flugtag bedeutete. Die steife Bise liess am Start den Windsack waagerecht stehen und vertrieb etwas die guten Aufwinde. Diese Bedingungen verlangte eine gute Taktik der Wettkämpfer, die Strecke über etwas mehr als 300 km von Schupfart nach Geisingen (Schwäbische Alb), zurück zum Schluchsee, hinauf zur Hornisgrinde (Höhe Stuttgart) und via Gelterkinden nach Schupfart ins Ziel, zurückzulegen.
Die an den vorherigen Tagen scheinbar mit Leichtigkeit gesammelten Punkte wurden an diesem Tag hart verdient. Ein Flugzeug wurde durch das Wetter auf dem Flugplatz Kirchzarten im Schwarzwald schon zur Landung bewegt. Dank motiviertem Rückholer mit Anhänger war der Pilot für den nächsten Tag wieder zurück am Start in Schupfart. Auch das gehört zum Fliegen grosser Strecken ohne Motor dazu!
Hier entstehen teilweise Missverständnisse: Das Fliegen ohne Motor kann den Piloten schon mal zum Landen zwingen, auch wenn kein Flugplatz in der Nähe ist. Das ist noch lange kein Beinbruch, oder eine «Notlandung» wie Lokalzeitungen oft berichten, beim Landen auf einer Wiese spricht man von einer Aussenlandung.
Für den anstrengenden Flugtag folgte die Belohnung am vierten und letzten Wertungstag. Die Bise liess nach und nördlich des Rheins eröffneten sich traumhafte Flugbedingungen. Die Teilnehmer konnten in der aufsteigenden Luft komfortable Höhen von knapp 3’000 m über dem Meer erklimmen und mit hoher Durchnittsgeschwindigkeit (Tagesrekord: 124 km/h!) die letzte Aufgabe abfliegen, die bei diesem Flug wohl zur Nebensache wurde. Die Strecke führte zunächst nach Winzeln-Schrammberg, zurück zum Kienbergsee um nach einem Abstecher auf die Schwäbische Alb (Beuron, Höhe Bodensee) und über Wehr und Olten nach knapp 300 km wieder zurück nach Schupfart. Alle Teilnehmer landeten nach diesem Flug wieder mit breitem Grinsen.
Während den Wertungen wurden von den Teilnehmern stattlich viele Punkte mit ansehnlichen Flügen gesammelt. Vom Start bis zur Landung wurde per Live-Tracking online und durch echte Fans vor Ort mitgefiebert und mitgelitten, wenn die Piloten mal tief unterwegs waren. Die Wettkämpfer lieferten sich täglich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen; der Tagessieg wurde an jedem Wertungstag von einem anderen Teilnehmer geschnappt. Den Tagessieg ergatterten Simon Gantner, Yves Schnetzer, Pascal Zollikofer und Andreas Liechti. Gold über alle Wertungstage ging an Simon Gantner, Silber an Pascal Zollikofer und Bronze an Yves Schnetzer.

Die Teilnehmer bei der Siegerehrung (v.l.n.r.): Pascal Zollikofer, Simon Garntner, Yves Schnetzer, Raffaele Sandrini, Christoph Uhlmann, Andy Liechti, Sacha Aebi, Jürg Morgenegg, Benjamin Brénckle, Patrick Jutzi.
Sowohl Teilnehmer des Wettbewerbs als auch OK-Chef Fredy Zulliger verzeichnen die Meisterschaft als grossen Erfolg. Die gestellten Aufgaben passten perfekt zu den gegebenen Wetterbedingungen und verlangten den Teilnehmern einiges ab. Alle konnten während dem Meistern der Aufgaben noch etwas dazu lernen und trotz Wettbewerb abends am gemeinsamen Grill über ihre Erlebnisse erzählen.
So ging ein rundum gelungener Wettbewerb zu Ende – mit zufriedenen Gesichtern, starken Leistungen und der gemeinsamen Vorfreude darauf, bei der 24. Regionalmeisterschaft 2028 in Schupfart erneut zur Herausforderung abzuheben.
Text: Annika B., Fotos: diverse

